BiOfunk (46): Diphtherie – Mit der passiven Impfung gegen den Würgeengel

Die Diphtherie war gefürchtet. 50.000 Jungen und Mädchen starben in Deutschland jedes Jahr an dieser Krankheit. Nicht selten erstickten die Patienten. Weshalb die Krankheit auch Würgeengel genannt wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine erfolgreiche Therapie gegen die Diphtherie entwickelt. Das war ein Meilenstein bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. Zum ersten Mal war es möglich, ein Bakterium durch eine passive Impfung gezielt zu bekämpfen. Im BiOfunk betrachten wir diesen medizinischen Durchbruch. Und was Emil von Behring, Robert Koch und Paul Ehrlich damit zu tun haben

Eine Diphtherie-Erkrankung begann mit Halsschmerzen und hohem Fieber. Der Hals schwoll an, das konnte man auch von außen sehen. Im Rachen bildeten sich weißlich-gelbe Beläge, die die Atemwege blockierten. Im weiteren Verlauf konnte der Kehlkopf anschwellen und das Atmen unmöglich machen. Der Patient erstickte. Oftmals wurden auch andere Organe geschädigt, z.B. die Nieren oder das Herz. Die krankmachenden Bakterien produzieren einen Giftstoff, das Diphtherie-Toxin, dass in die Umgebung abgegeben wird und sich im Körper verteilt. Das Toxin greift dann die Organe an.

Gemeinsam mit Paul Ehrlich und anderen Wissenschaftlern entwickelte Emil von Behring die Serumtherapie zur Behandlung der Diphterie. Dabei wurde das Impfserum aus Pferden gewonnen (Abb. 2). Die Bedeutung dieser Therapie kann nicht überschätzt werden. Ende des 19. Jahrhunderts gab es keine Möglichkeit, eine bakterielle Infektion zu bekämpfen.

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Abb. 1: Paul Ehrlich und Emil von Behring auf einer Gedenkmarke

Antibiotika sollten erst 50 Jahre später entdeckt werden. Entweder das Immunsystem des Patienten schaffte es aus eigener Kraft, die Bakterien zu vernichten. Oder eben nicht. Dann endete die Erkrankung nicht selten tödlich. So wie für die 50.000 Kinder, die jährlich an den Folgen der Diphtherie starben. Die Serumtherapie rettete viele Kinder vor dem sicheren Tod. Und es war die erste erfolgreiche Therapie einer Infektionskrankheit überhaupt.

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Abb. 2: Gewinnung des Diphtherieserums aus Pferdeblut im Behringwerk zu Marburg

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Abb. 3: Kampagne für die Diphtherie-Impfung

20 Jahre nach der Serumtherapie entwickelte von Behring ein Verfahren zur aktiven Impfung (Abb. 3). Dabei wird eine abgeschwächte Form des Diphtherie-Toxins direkt in den Patienten gespritzt. Im Gegensatz zur passiven Impfung wird bei dieser Art der Impfung das Immunsystem aktiv. Es bildet Antikörper, aber auch Gedächtniszellen. Damit ist der Mensch über viele Jahre vor eine Diphtherie-Erkrankung geschützt.


Weitere Informationen

Deutschlandfunk: Der „Würgeengel der Kinder“ ist weiter gefährlich

Ärzteblatt: 125 Jahre Diphtherieheilserum: „Das Behring’sche Gold“

Smithsonian: How Science Conquered Diphtheria, the Plague Among Children

Pharmazeutische Zeitung: Emil von Behring – Kantig, kreativ und genial